Marsch, marsch


Dez/2021

Dampf umhüllt den Reisenden am Bahnhof in Wernigerode. Das Pfeifen der historischen Lok verstärkt das Gefühl, sich in einer anderen, nostalgischen Zeit zu befinden. Selbst NEWMAN an meiner Seite blickt fasziniert auf die Rauchschwaden, die seitlich aus der über 100 Jahre alten Dampflokomotive herausquellen. Ein letztes langes Pfeifen und der Zug setzt sich schnaufend in Bewegung Richtung Brocken. Dem Geheimtipp folgend sitzen wir im letzten Abteil des historischen Zugs. Hier befindet sich eine offene Plattform – ideal für Fotos entlang der sich immer wieder verändernden Mittelgebirgslandschaft, des Harzes.

Auch wenn die Fahrt angenehm entspannt ist, steigen wir an der Station „Drei Annen Hohne“ vorzeitig aus, um die rund 14 Kilometer zurück nach Wernigerode zu wandern. Ich habe mir sagen lassen, dass es eine ideale Strecke auch für Hunde ist! Bevor es allerdings losgeht, gibt es eine dieser typischen Harzer Erbsensuppen zu Stärkung – direkt gegenüber dem Bahnhof und geschmacksecht aus der Gulaschkanone.

Hinweis an dieser Stelle: Hunde sind in der Bahn grundsätzlich erlaubt, müssen aber einen Maulkorb tragen und zahlen ab einer Rückenhöhe über 20 cm rund 60 Prozent des jeweiligen Fahrpreises.

„Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“

Unbekannt

Schönheitsfleck

Die Strecke durch den Harzer Wald gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Gerade im Herbst zeigt sich der Laubwald in seiner ganzen Farbenpracht. Entlang der Zillierbachtalsperre lässt sich auch mal ideal Pause machen, wenn man die Stille genießen möchte. NEWMAN allerdings kann nicht genug bekommen und läuft von rechts nach links und immer mit einem Ohr in den Wald horchend. Ja nichts verpassen …

Aber auch ein Eden hat seine dunklen Flecken. Hier im Harz bestehen diese aus mittlerweile größeren Flächen abgestorbener Fichten, die der Borkenkäfer auf dem Gewissen hat. Heute allerdings umhüllt leichter Bodennebel die toten Stämme und gibt dem Wald damit einen mystischen Rahmen. Minuten später brechen auf der anderen Seite einzelne Sonnenstrahlen durch den Blätterwald und lassen die Landschaft wie gemalt wirken. Wenn jetzt noch am Horizont der röhrende Hirsch … Nein, das wäre dann doch zu viel des Guten. Weiter geht es die 357 Höhenmeter runter in die Stadt. Alles gut zu erlaufen, auch für den konditionsschwachen Hobbywanderer. Die letzten Meter nach rund drei Stunden Fußmarsch werden getragen von der Vorstellung an die  nächsten Aktionen. Aufwärmen in der Wellnesslandschaft im großen Hotel-Spa und anschließend ein üppiges Abendessen mit regionalen Spezialitäten. Unser Hotel „Gothisches Haus“ bietet beides an. Im Restaurant „Die Stuben“ wählen wir aus der harztypischen Küche die mit Blaubeeren gebeizte Lachsforelle in Harzer Gin mit Fichtenspitzenpesto, eine sehr originell zusammengestellte Kreation. Nicht weniger kreativ und allein schon fürs Instagram-Foto ein Must-have ist die Nachspeise „Unser Wald“. Nomen est omen, zumindest was die Optik betrifft.

Kulturgut satt

Nicht nur kulinarisch ist das „Gothische Haus“ die richtige Entscheidung, sondern auch hinsichtlich der Lage. Direkt am historischen Rathaus und dem Marktplatz gelegen, ist es der perfekte Ausgangspunkt zum Entdecken der Stadt. Jahrhundertealte Fachwerkhäuser, bestens renoviert, reihen sich wie architektonische Perlen aneinander. Und als historisches Gesamtkunstwerk bildet das Schloss Wernigerode dann das Finale auf dem Entdeckerprogramm. Wer ohne vierbeinigen Anhang unterwegs ist, sollte sich unbedingt auf eines der unterschiedlichen Burgangebote einlassen. Taschenlampenführung klingt doch ganz vielversprechend.

Auf den Spuren von George

Bei so viel historischem Charme ist es eigentlich kein Wunder, dass sich Hollywoodgröße George Clooney beim Dreh seines Blockbusters „The Monument Man“ im Harzer Umland auch in Wernigerode blicken ließ. Genauer gesagt, hat er sich an seinem 52. Geburtstag im Restaurant „Orchidea“ durch die Nacht tragen lassen. Gibt es eine glamourösere Empfehlung für ein Abendessen? Wir finden nicht und lassen uns auch auf eine Gaumenreise durch die vietnamesische und japanische Küche ein. Im Wechsel der appetitlichen Gänge verstehen wir immer mehr, warum George seine Gäste Matt Damon, Bill Murray & Co. gerade hierher ausgeführt hat. Völlig unbeeindruckt von so viel Glamour liegt NEWMAN neben dem Tisch. Das „Orchidea“ ist nämlich nicht nur hollywood-, sondern auch hundefreundlich.

Hundefreundlich ist ein gutes Stichwort, um einen weiteren Harzer Spot für Vierbeiner zu empfehlen.

Hundewald Harz

Besonders beliebt ist dieser umzäunte Freilauf für Hundebesitzer deren Best Buddy einen Jagdinstinkt verspürt. Hier kann mal durch den Wald gestromert werden ohne das der Zweibeiner Schnappatmung bekommt, weil der Hund vielleicht ein anderes Tier wittert und das Jagdfieber ausbricht. Der Zaum lässt keine Alleingänge zu. Alles entspannt und jeder kann den Wald auf seine Art genießen. Also dann, next stop: Harz!

Drei Wanderrouten im Harz für Hundebesitzer

Generell bieten sich viele Wanderstrecken für Hunde und deren Besitzer*innen an. Die Touren hier
wurden so ausgesucht, dass sie Möglichkeiten bieten, dass sich der Hund erfrischen und trinken
kann. Wichtig für alle Touren ist, dabei auf die eigene Kondition und die des Hundes zu achten und
dementsprechend die Strecken auszuwählen.

Wernigeröder Märchenweg (ca. 5 km) – leichte Wanderung (für kleine oder ältere Hunde)

  • vom Hasseröder Ferienpark über Marthabuche zum Kaiserturm (Rapunzelturm)
  • zwischendurch Einkehr im Gasthaus Armeleuteberg möglich (Hunde erlaubt)
  • Rücktour über Försterplatz und Marienbrunnen
  • besonders schön auch für Familien mit Kindern, da es auf dem Märchenweg interaktive Stationen mit zu lösenden Aufgaben und wissenswerten Informationen gibt
Wanderung zur Zillierbachtalsperre (ca. 10 km) – mittlere Wanderung
  • vom Parkplatz am Försterplatz über den Hexenstieg und Herbert-Pohl-Weg bis zur Talsperre
  • rechterhand über die Staumauer und die Talsperre umrunden, unterwegs kann man in Schutzhütten Rast machen
  • die Rücktour führt Sie über denselben Weg zum Parkplatz zurück oder alternativ über Langes-Bruch-Chaussee und Hüttestieg (ca. 12 km gesamt)

Wanderung zur Steinernen Renne (ca. 11 km) – für aktive, abenteuerlustige Hunde und sportliche Besitzer*innen

  • vom Floßplatz im Wernigeröder Ortsteil Hasserode starten, bzw. Wandererparkplatz nahe dem Lossendenkmal, durch das Drängetal, dann nach rechts durch den Wald in Richtung Wasserwerk
  • die Holtemme queren, danach folgt ein anspruchsvoller, naturbelassener Weg über Steine und Wurzeln
  • anschließend die kleine Renne hinauf zum Rennebogen bis zum Gasthaus Steinere Renne, dort kann man auch einkehren (Hunde erlaubt)
  • von dort weiter zum Ottofelsen und durch das Thumkulental zurück in Richtung Wernigerode
  • ab dem Wasserrad „Wasserkunst Thumkulental“ geht es auf einem schmalen Wurzelpfad bis zum Lossendenkmal
  • weiter dem Waldweg bis Wernigerode folgen um den Ausgangspunkt zu erreichen

BUCHTIPP:
„Auf vier Pfoten durch Deutschland“
www.kunth-verlag.de

Text:
Markus R. Groß

Bilder:
Markus R. Groß
Archiv HSB/ Volker Schadach
Harzer Tourismusverband, J. Friedrich
Hotel Gothisches Haus Wernigerode

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