Strom-Anstoß


Nov/2022

Grüner Rasen gehört zum Fußball, und das soll auch weiterhin so bleiben. Umwelt- und Klimaschutz gewinnt daher im Sport immer mehr an Bedeutung. Dies trifft insbesondere auf den Profifußball zu – nicht zuletzt auch deshalb, weil die Deutsche Fußball-Liga (DFL) als Verband der 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga inzwischen die Einhaltung von sozialen und Nachhaltigkeits-Standards als Kriterium in das Lizenzvergabeverfahren einbezieht. Also, Eintracht, Borussia, FC und Co.: Wie ist der aktuelle Zwischenstand? Wir schalten live nach …

Gerade Themen wie Mobilität und Energieversorgung spielen bei der Umsetzung eine zentrale Rolle. Lange fehlte ein Gesamtüberblick über den Grad der „E-Mobilisierung“ und den Einsatz regenerativer Energien im Profifußball. Diese Informationslücke hat das Magazin Touremo mit einer erstmaligen Befragung der deutschen Vereine der 1. bis 3. Bundesliga nun geschlossen.

Themen der Befragung und Respons der Clubs


An 54 Vereine wurden Online-Fragebögen mit drei Hauptthemenbereichen versandt:

> Elektrofahrzeuge:
Art, Zahl, Einsatzzweck/Nutzergruppen und Zukunftsperspektive

> Ladeeinrichtungen:
Zahl, Ort, Nutzergruppen, Ladeleistungen und Planungen

> Einsatz von Ökostrom:
Art, Eigenerzeugung und Zukauf

Mit 90,7 Prozent war die Rücklaufquote der Fragebögen außerordentlich hoch, die Vereine der 1. Bundesliga gaben sogar zu 100 Prozent (18 von 18) detailliert Auskunft über den Status quo und ihre Zukunftsplanungen. Die große Beteiligung liefert einen deutlichen Beleg für die Relevanz der abgefragten Themen.

Beeindruckende Resultate:
Der Fußball fließt


Überraschend war die Tatsache, dass bereits 71 Prozent der Vereine elektrifizierte Fahrzeuge einsetzen. Dies betrifft hauptsächlich E-Autos, aber auch Zweiräder und Transporter. Die „Stromer“ werden derzeit noch hauptsächlich von Vereinsmitarbeiterinnen und Funktionären genutzt, weniger von Spielern, aber auch bei diesen erfahren vor allem leistungsstarke Modelle zunehmend Akzeptanz.

Mit der Elektrifizierung des jeweiligen Fuhrparks geht der Ausbau der Ladeinfrastruktur einher. So wurden bereits bei 61 Prozent der Clubs entsprechende Einrichtungen wie Wallboxen oder Ladesäulen installiert – vornehmlich am Vereinsgelände.

Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wirbt bei seinen Vereinen für nachhaltige Mobilität und elektrifiziert seine Dienstfahrzeugflotte Zug um Zug. Bereits heute besteht diese zu fast 70 Prozent aus Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden des Mobilitätspartners Volkswagen. Und der neue DFB-Campus verfügt bereits über 23 E-Ladesäulen.

Impulse durch
Mobilitätspartner


Es sind insbesondere solche Vereine gut aufgestellt, deren Automobilsponsoren offensiv auf die Karte E-Mobilität setzen und folglich ein Interesse haben, dies auch öffentlichkeitswirksam zu kommunizieren. So ist Audi Partner von gleich sieben Profivereinen, die jeweils zwischen 15 und 30 Fahrzeuge erhalten, wobei der Anteil der elektrischen e-tron Modelle stetig zunimmt. Daneben spielt – wenig überraschend – der VFL Wolfsburg bei der E-Mobilisierung ganz oben mit. Dort werden auch Spieler als Botschafter für die E-Fahrzeuge von VW eingesetzt. Dies ist auch beim BVB der Fall, wo insbesondere die Jungstars E-Fahrzeuge von Opel promoten.

Audi ist Mobilitätspartner von sieben
Proficlubs und stellt diesen zunehmend E-Fahrzeuge zur Verfügung.

Best Practice: Eintracht und Hyundai


Das bemerkenswerteste Beispiel für eine E-Mobilitäts-Partnerschaft, die deutlich über die bloße Lieferung von Fahrzeugen hinausgeht, liefert die Kombination Eintracht Frankfurt und Hyundai. Hier wird nicht nur der Vereinsfuhrpark sukzessive elektrifiziert, sondern es werden auch gemeinsame Aktionen gestartet, bei denen die Eintracht-Fans einbezogen werden. Dazu gehören etwa E-Shuttle-Angebote für Fahrten zum Stadion, die Organisation von Fahrgemeinschaften oder ein Gewinnspiel, bei dem die Ausgelosten mit einem „Stromer“ zum Auswärtsspiel fahren dürfen. Besonders erfolgreich war der Launch einer limitierten Sonderedition „Eintracht-Legenden“ des Hyundai Modells KONA Elektro, das, von neun ehemaligen Stars wie Charly Körbel, Alex Meier oder Uwe Bein signiert, von Vereinsmitgliedern erworben werden konnte.

Eintracht-Legende Charly Körbel mit „seinem“ Sondermodell des KONA Elektro.

Ökostrom? Selbstverständlich!


Die Frage, ob von einer tatsächlichen Null-Emissionen-Mobilität gesprochen werden kann, hängt von der Art des verwendeten Ladestroms ab. Auch in diesem Punkt belegen die Befragungsergebnisse ein überraschend hohes Engagement der Vereine bzw. der Stadiongesellschaften. So beziehen über 80 Prozent der Clubs bereits Ökostrom, meist über entsprechende Verträge mit ihren Energielieferanten; ein Drittel nutzt sogar selbstproduzierten Strom aus Solaranlagen.

Bei Stadionneubauten gehören, sofern keine Zeltdachkonstruktion vorgesehen ist, Photovoltaikmodule inzwischen zum Standard. So wurde jüngst auf dem Dach des neuen Europa-Park Stadions des SC Freiburg die zweitgrößte Solaranlage einer Sportstätte weltweit installiert. Kein Einzelfall, da bereits auch auf vielen älteren Stadien schon länger Solarstrom gewonnen wird. Hinzu kommt, dass Zug um Zug bestehende Spielstätten wie das Berliner Olympiastadion nachgerüstet bzw. vorhandene Solarstromanlagen erweitert werden. Was die Ausrüstung von Gebäuden auf den Vereinsgeländen betrifft, ist indes noch Luft nach oben. Aber der Kenner weiß ja: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!

Text: Peter Grett Bilder: Hyundai Motor Deutschland GmbH, VfL Wolfsburg, touremo.de, badenova
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